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«Die Versuchung, einen Auszug aus dem Betreibungsregister zu fälschen, ist kleiner»

 

Die Stadt Zürich druckt seit Ende März QR-Codes auf ihre Betreibungsregisterauszüge. Dank ihnen und einer App können die Dokumente auf Echtheit überprüft werden. Die Technologie von GLAUX GROUP sorgt für die Integration der Codes auf den Dokumenten.

«Wir haben pro Woche etwa ein bis zwei Fälle von gefälschten Betreibungsregisterauszügen. Und das allein in der Stadt Zürich. Wenn wir das Feststellen, zieht das eine Strafanzeige nach sich», erklärt Jon Keller, er ist seit Januar 2022 Stadtammann und Betreibungsamtsleiter in Zürich Wipkingen/Höngg, dem Kreis 10. Der Kreis 10 in Zürich wirkte entscheidend in der Entstehungs- und Entwicklungsphase für das Projekt der fälschungssicheren Betreibungsregisterauszüge mit. «Viele unserer Kunden haben keinen sauberen Betreibungsregisterauszug. Die meisten Anfragen haben wir von Immobilienverwaltungen, die den Auszug verifizieren wollen», führt Jon Keller aus.

Wer eine Wohnung sucht, muss fast überall einen Betreibungsregisterauszug einreichen. Mit entsprechenden Einträgen landet man bei den Verwaltungen meistens auf dem Absagestapel. Dies kann eine Motivation sein, um einen Auszug zu fälschen und so allenfalls die Chancen auf eine Wohnung zu erhöhen. «Es wurden sehr viele Auszüge verändert, von den meisten Fälschungen erfahren wir gar nie – das heisst, die Dunkelziffer ist hoch», führt Jon Keller aus. Der Schaden, der von gefälschten Dokumenten ausgeht, ist also gross.

 

Einfach zu fälschen, schwierig zu entdecken

Martin Ochoa ist Mathematiker und Informatiker und forschte an der ETH zum Thema Authentifizierung und Informationssicherheit: «In diesem Rahmen entwickelten wir eine Lösung zur Verifizierung unter anderem von Dokumenten. Vor zweieinhalb Jahren kontaktierten wir die Stadt Zürich, nahmen uns gemeinsam dem Use Case der Betreibungsregisterauszüge an und starteten das Pilotprojekt», erklärt Martin Ochoa.

Fälschungen sind heute relativ einfach umzusetzen: Die Bürger:innen bestellen einen Auszug und löschen Einträge aus dem Dokument. Oder sie nehmen einen Auszug ohne Einträge und setzen ihre Adresse ein. «Es ist relativ einfach, diese Dokumente mit digitalen Tools zu bearbeiten. Und es ist schwierig, diese Fälschungen zu entdecken. Sie enthalten einen Stempel oder eine Unterschrift einer Behörde und die Menschen vertrauen solchen Dokumenten», so Martin Ochoa. Das war die Ausgangslage.

 

Aus der Idee wurde eine Firma

Aus der Forschungsidee wurde im September 2023 ein Eintrag im Handelsregister: Martin Ochoa gründete die Firma Thenti gemeinsam mit Kollegen der ETH und fungiert heute als CEO. Zudem wechselte er von der ETH zur ZHAW, arbeitet weiterhin Teilzeit als Dozent und in der Forschung zum Thema Informationssicherheit. Neben seiner Tätigkeit im Startup.

Und so funktioniert die Verifizierung: Die Stadt Zürich versieht das Dokument mit einem QR-Code, speichert das Originaldokument verschlüsselt auf einem Server und schickt dem/der Empfänger:in eine gedruckte Kopie. Wer das gedruckte Dokument auf Echtheit überprüfen will, öffnet die Verifizierungs-App der Stadt Zürich, scannt den QR-Code und filmt das Dokument, bis die App «grünes Licht» gibt. Normalerweise dauert das etwas mehr als eine Sekunde.

Die App vergleicht die einzelnen Bilder mit dem Original und markiert allfällige, auch kleinste Abweichungen auf dem Bildschirm. Die App funktioniert sowohl mit gedruckten wie auch mit elektronischen Dokumenten und unterstützt den gesamten Lifecycle eines Dokumentes.

 

 

Integration des QR-Codes via Druckertreiber

Für Thenti war es essenziell, dass sie sich in bestehende Systeme integrieren konnten: «Eine technisch gute Möglichkeit dem Dokument den QR-Code hinzuzufügen, ist die Integration via Druckertreiber», erklärt Martin Ochoa. Die Technologie der Printcom-Produkte fügt dem Dokument bereits Adresse und Frankierung hinzu: «Das Anfügen des Codes ist in unser Produkt integriert. Wir laden das Dokument zu Thenti hoch, sie bringen den QR-Code an und schicken uns das Dokument wieder zurück», erklärt der Projektleiter Mathias Ardelt von GLAUX GROUP. «Wir hatten zu Beginn des Projektes verschiedenste Abstimmungen mit Mathias Ardelt, um herauszufinden, ob das technisch überhaupt möglich ist. Später, um die technischen Feinheiten zu besprechen. Mathias Ardelt und wir haben uns gut verstanden und die Zusammenarbeit war immer sehr ergiebig», führt Martin Ochoa aus.

Innovation in der öffentlichen Verwaltung

Zurück im Kreis 10 bei Jon Keller: «Die Betreibungsämter der Stadt Zürich sind Vorreiter in diesem Thema, das ist eine grossartige Sache! Wir versprechen uns auch einen präventiven Charakter. Die Versuchung, einen Auszug zu fälschen ist vermutlich kleiner. Und auch die Staatsanwaltschaft wird entlastet, wenn sie nicht gefälschten Dokumenten nachgehen müssen». Jon Keller ist überzeugt, dass das Überprüfen der Echtheit von Dokumenten auch für andere Abteilungen der Stadt Zürich interessant ist.

Martin Ochoa doppelt nach: «Das war mein erstes solches Projekt. Es ist eindrücklich, wie viele Stellen in die Entwicklung involviert waren. Aber es geht schliesslich um sensible Daten. Alle Beteiligten waren von Anfang bis zum Schluss motiviert und engagiert, es war eine gute Zusammenarbeit, die Spass machte.»

Und er glaubt an seine Technologie: «Wir hoffen auf weitere erfolgreiche Projekte innerhalb und ausserhalb der Stadt Zürich. Wir arbeiten z.B. auch an der Identifizierung von Objekten und sicherheitsrelevanten Personen und hoffen, dass wir die Firma weiterentwickeln können.»

Mehr zur Authentifizierung von Dokumenten bei der Stadt Zürich mit Thenti finden Sie hier.

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