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«Erst der Alltag zeigt, ob ein Standard funktioniert»

Der Verein eCH fördert, entwickelt und verabschiedet Standards im Bereich E-Government. Das Ziel ist eine effiziente elektronische Zusammenarbeit zwischen Behörden, Unternehmen und Privaten. Warum die Stärke des Vereins gleichzeitig seine Schwäche ist, weiss Lorenz Frey, der Geschäftsleiter von eCH. 

Lorenz Frey, Sie sind seit acht Jahre Geschäftsleiter des Vereins eCH, was tun Sie in dieser Position? 
Lorenz Frei: Ich mache eigentlich einen Managementjob, wir begleiten und unterstützen den gesamten Standardisierungsprozess, die Fachgruppen, den Expertenausschuss und den Vorstand. Unsere Kernprodukte sind die Standardisierungen und diese Arbeit machen unsere Fachgruppen. Das sind am Ende des Tages wichtige, aber sehr fachspezifische Dokumente mit Nummern. Das versuchen wir kommunikativ attraktiver zu machen. 

Und wie wurden Sie Geschäftsleiter? 
Weil ich wahnsinnig gut bin (lacht). Nein, eCH ist ein kleiner Verein, der es sich nicht leisten kann, für alle Aufgaben separate Personen anzustellen. Wir bieten das ganze Paket von Administration über Buchhaltung bis zu Kommunikation und strategischer Unterstützung an. Wir müssen in erster Linie gut organisieren können. Von den Inhalten sind wir teilweise weit weg, die kommen von den Mitgliedern.

Was tun Sie davon gerne?
Es ist ein breites Profil, mit einer stark organisatorischen Komponente. Das ist nicht immer sexy. Spass macht mir die Arbeit an der Positionierung, wie wir den Verein und die Fachgruppen stärken können. Die arbeiten ja alle gratis für eCH. Also der Arbeitgeber zahlt im weitesten Sinne für ihre Arbeit. Die Mitglieder machen die Arbeit, weil sie es spannend finden und weil es sie braucht. Die Frage ist: Wie gelingt es, den Arbeitsalltag mit der Arbeit für den Verein zu vereinbaren.

Lorenz Frey steht vor der Infotafel von eCH

Standardisierung hat auch etwas mit Harmonisierung zu tun. Wie harmonisch funktioniert der Verein?
Die Arbeit ist natürlich nicht konfliktfrei. Schwierig ist es dort, wo die Politik reinspielt. eCH versteht sich als Verein, der sachlich versucht, Standardisierungen zu erreichen und Prozesse zu vereinheitlichen. Doch bei eCH muss man sich einem Prozess aussetzen, das geht nicht ohne Diskussionen. Die Idee ist, dass nicht eine Person oder ein Unternehmen für sich eine Standardisierung etabliert, sondern dass alle relevanten Stakeholder das gemeinsam angehen, also die Verwaltung, die Wirtschaft und die Wissenschaft zusammen. Und die müssen das aushandeln und sich einigen. Der Alltag zeigt dann jeweils, ob ein Standard funktioniert.

Wie stellen Sie sicher, dass niemand seine Interessen einfach durchsetzt?
Alle Beteiligten sehen einen gemeinsamen Vorteil in der Standardisierung, alle wollen vereinfachen und standardisieren. Und es gibt ein Lifecycle Management, ein Fokus dabei ist zu schauen, ob die Fachgruppen ausgewogen zusammengesetzt sind. Und es gibt eine öffentliche Konsultation. 

Und hier kommen Rückmeldungen?
Da habe ich schon alles erlebt, dass nichts kommt, aber es gab auch schon über 100 Rückmeldungen auf ein Thema. Die Fachgruppe ist dann verpflichtet, sich damit auseinanderzusetzen. 

Wie muss ich mir die Arbeit in einer Fachgruppe vorstellen? Läuft das basisdemokratisch? Oder ist jemand der Chef?
eCH hat sehr stark einen bottom up Charakter. Die Leute melden sich, um in einer Fachgruppe mitzuarbeiten. Die Gruppen sind sehr autonom unterwegs und wählen die Leitung selbst. Wir unterstützen, falls Problem auftreten. Und seit einiger Zeit haben wir finanzielle Mittel vom Bund, von der digitalen Verwaltung Schweiz, damit wir gewisse Standardisierungsarbeiten erst möglich machen können. 

Wie könnte so eine Unterstützung aussehen?
Stellen Sie sich vor, man hat sich in einer Fachgruppe geeinigt und nun geht es darum, einen ersten Entwurf auszuarbeiten. Das ist sehr aufwändig. Das ist der Moment, wo alle einander anschauen und darauf warten, dass ein anderer sich meldet. Hier können wir externe Fachspezialisten hinzuziehen, die die Gruppe mit Knowhow oder administrativ unterstützen. Das funktioniert gut. 

«Es ist nicht immer einfach, die Mitglieder zum aktiven Mitmachen zu bewegen. Sie sind eine unglaubliche Ressource, aber es ist für alle eine Frage der Zeit und der Interessen.»

Lorenz Frey

Geschäftsleiter Verein eCH

Was ist die Stärke von eCH?
Die grosse Stärke ist auch eine potenzielle Schwäche: Der Bottom up Ansatz. Das Milizsystem verlangt Zeit und Engagement der Mitglieder. Eine weitere Stärke ist die Vernetzung. Wir sind nicht nur Verwaltung, oder nur Wissenschaft oder nur Wirtschaft, jeder kann seine Interessen einbringen. Unser Angebot ist gratis, für jede:n verfügbar und alle können sich engagieren.

Wenn jemand eine neue Standardisierung anstrebt, wie müssen sie dafür vorgehen?
Da müssen sie einen Antrag stellen (lacht).  Nein, jemand hat eine Standardisierungsidee und stellt einen Themen- oder einen Fachgruppenantrag nach einer bestimmten Struktur. Dieser durchläuft ein kleines Konsultationsverfahren bei eCH. Wir klären, ob der Fokus zum Verein und zu E-Government passt und ob es Überschneidungen mit anderen Themen gibt. Der Vorstand verabschiedet den Antrag, dann wird dieser publiziert. 

Haben Sie ein Beispiel?
Mit der Fachgruppe Agrardaten waren wir vor dem ersten konkreten Antrag etwa zwei Jahre im Austausch. Wir haben eine Potentialanalyse finanziert, um herauszufinden, um welches Themenfeld es hier genau geht, das ist ja sehr breit. Wir klärten ab, ob es bereits internationale Standards gibt. Denn wir wollen keine Schweizer Insel bauen. Wer an diesen Standards interessiert sein könnte? Oder wer in die Fachgruppe passt. Die Gruppe Agrardaten hatte eine konkrete Vorstellung, was sie wollten und wer in die Fachgruppe gehört. Diesen Prozess, bis zur Publikation des Antrags, begleiten wir. Wir machen auch einen Aufruf an die Mitglieder, dass es eine neue Fachgruppe gibt, die man unterstützen kann. 

Und wie entsteht ein neuer Standard?
Es gibt einen Regelkreis für eine Standardisierung: Nach einer Erarbeitungsphase folgt eine formale Qualitätskontrolle, die macht die Geschäftsstelle. Zuletzt passiert die Standardisierung eine inhaltliche Qualitätskontrolle, die nimmt der Expertenausschuss vor. Hier werden Fragen wie: Trägt das zu E-Government bei? Ist das Dokument in sich schlüssig? Ist es stimmig mit anderen Dokumenten? Wurden die Meldungen aus der Konsultation angemessen berücksichtigt? Wenn alles passt, folgt die Publikation auf der Webseite. 

Wie lange dauert es im Durchschnitt, bis ein neuer Standard erlassen ist?
Formal kommt spätestens nach fünf Jahren der Aufruf: Bitte prüfen, ob das Thema noch lebt und aktualisiert werden muss. Aber es gibt auch Standards, die regelmässig aktualisiert werden. Sagen wir: Im Schnitt etwa zwei Jahre.

20 aktive Fachgruppen

250 erlassene Standards

120 Unternehmen sind Mitglied

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Wie wird man Mitglied in Ihrem Expertenausschuss?
Viele Vereine haben Mühe, Mitglieder zu finden. Wir hatten kürzlich Vakanzen ausgeschrieben und erhielten wirklich viele qualifizierte Interessenten. Wir waren sehr positiv überrascht und das spricht vermutlich für uns. Letztendlich werden diese durch die Mitgliederversammlung gewählt.

Sie haben einen Wunsch frei für den Verein…
… ich wünsche mir 50 neue Mitglieder, die sich alle aktiv engagieren bei eCH, also nicht nur den Mitgliederbeitrag zahlen.


Zum Verein eCH

Der Verein eCH entwickelt Standards im Bereich E-Government – für eine effiziente digitale Zusammenarbeit zwischen Behörden, Unternehmen und Privaten. Er baut auf die Zusammenarbeit privater und öffentlicher Partner. Neben dem Bund, allen Kantonen und diversen Gemeinden sind über 100 Firmen sowie Fachhochschulen, Verbände und Einzelpersonen Mitglied von eCH. Rund 20 Fachgruppen stellen sicher, dass die Standards mit hoher Qualität und frei von Einzelinteressen entwickelt und gepflegt werden. Bis heute wurden über 250 Standards erlassen. Im Expertenausschuss engagieren sich bis 12 Personen.

Beat Kiener, der CTO der GLAUX GROUP, engagiert sich seit einigen Jahren im Expertenausschuss des Vereins eCH.

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