Header 2 eSub-1

Pflege, Kultur, Sicherheit: Wie Bundesämter auf einer Plattform zusammenfinden

Vom Schulprojekt bis zum Leistungsvertrag in Millionenhöhe: Sieben Verwaltungseinheiten des Bundes bearbeiten ihre Subventionsgesuche heute in einer einzigen Anwendung, von der Einreichung bis zur Auszahlung. Aufgebaut hat eSubventionen das Generalsekretariat des Eidgenössischen Departements des Innern (GS-EDI) zusammen mit den Verwaltungseinheiten und der GLAUX GROUP.

Ein Kanton beantragt Bundesgelder, um mehr Pflegefachpersonen auszubilden. Eine Filmproduktion bewirbt sich um einen Förderbeitrag. Eine Organisation ersucht um Finanzhilfe, um eine Minderheit mit besonderen Schutzbedürfnissen besser zu schützen. Drei Gesuche, drei Bundesämter, drei Welten: das Bundesamt für Gesundheit (BAG), das Bundesamt für Kultur (BAK) und das Bundesamt für Polizei (fedpol). Auf den ersten Blick haben sie kaum etwas gemeinsam. Und doch setzen sie auf dasselbe System: eSubventionen.

Vorher: jedes Amt mit eigenen Werkzeugen

Subventionen machen den grössten Teil der Bundesausgaben aus. Trotzdem arbeitete lange jedes Amt mit eigenen Werkzeugen. Als das Projekt 2021 initialisiert wurde, gab es allein im EDI drei verschiedene Fachanwendungen. Dazu kamen Outlook, Excel-Tabellen mit Makros und eigene Tools, um Dokumente zu erstellen. Gesuche trafen per E-Mail ein und mussten zusätzlich ausgedruckt und unterschrieben per Post folgen.

Den Anstoss gab eine Fachanwendung, die das GS-EDI und das BAK gemeinsam nutzten und die das Ende ihres Lebenszyklus erreicht hatte. Statt sie einfach zu ersetzen, stellte das EDI eine grundsätzliche Frage, die schon im Programm «Digitale Transformation EDI» im Raum stand: Warum betreibt jedes Amt eine eigene Subventionsapplikation? Das Ziel war von Anfang an eine offene, standardisierte Lösung, der sich weitere Ämter anschliessen können. Deshalb war mit dem Bundesamt für Landwirtschaft (BLW) bereits im Grundprojekt ein Amt ausserhalb des EDI dabei.

Jürg Treichler

 

Das GS-EDI vergibt selbst keine Subventionen. Dass es die Projektführung übernahm, war trotzdem nie umstritten. «Vom Budget des EDI von rund 24 Milliarden Franken sind nur etwa 830 Millionen Löhne und Betriebsaufwand. Der Rest sind Subventionen, von der AHV bis zur Kulturförderung. Da liegt es nahe, dass das Generalsekretariat die Führung übernimmt», sagt Jürg Treichler, Auftraggeber eSubventionen beim GS-EDI.

 7 Ämter

 30 Fördermassnahmen 

 1600 Nutzende 

1000 Gesuche

Ein Standard für sehr verschiedene Ämter

Michael Burkhalter

Was BAG, BAK und die anderen Ämter unterscheidet, zeigt ein Blick auf die Gesuche. «Die Subventionsgesuche reichen von Projekten zur Rassismusbekämpfung in einer Schulklasse bis zu mehrjährigen Leistungsverträgen mit Institutionen in Millionenhöhe. Und alle müssen mit dem Tool arbeiten können», sagt Michael Burkhalter, Product Owner eSubventionen, GS-EDI.

In der Filmförderung beurteilt eine externe Jury die Gesuche, anderswo die Verwaltung selbst. Es gibt kurze, wettbewerbsartige Verfahren und langfristige Finanzhilfen mit Leistungsvertrag. eSubventionen verbindet deshalb einen gemeinsamen Standard mit individuellen Formularen: Jedes Formular fragt genau die Informationen ab, die eine Fördermassnahme braucht und abfragen darf.

Auf den Standard mussten sich alle Ämter einigen. In intensiven Workshops klärten ihre Fachleute mit dem Team der GLAUX GROUP, was die Plattform evidence bereits mitbringt und was neu entstehen muss. Im Frühling 2025 stand der Standard. «Fragen, die alle betreffen, haben wir gemeinsam entschieden, unabhängig davon, wie gross ein Amt ist. Ohne diese Neutralität sähe die Anwendung heute anders aus», sagt Rita Crameri, Gesamtprojektleiterin eSubventionen beim GS-EDI.

Für die Gesuchstellenden ist der Weg einfach, egal bei welchem Amt sie Geld beantragen: Sie reichen ihre Gesuche im Kundenportal ein und melden sich über AGOV an, das die meisten Kantone bereits nutzen, etwa für die Steuererklärung. «Dieser Einstieg hat die Nutzung gefördert», sagt Jürg Treichler. Die Verwaltung bearbeitet die Gesuche im Behördenportal. Und wie bringt man alle dazu, das neue Tool zu nutzen? Die Antwort von Jürg Treichler ist kurz: 

«Nur wer über eSubventionen Gesuche eingibt, erhält Geld vom Bund.»

Jürg Treichler

Auftraggeber eSubventionen, GS-EDI

 

Der Weg: vom BAG-Pilot bis zur BAK-Migration

Das erste Amt auf der Plattform war das BAG, und das Projekt kam unter Zeitdruck. Nach der Annahme der Pflegeinitiative mussten sehr rasch Gesuche der Kantone entgegengenommen werden. Am 30. Juni 2024 ging eSubventionen als bewusst deklarierter Pilot online, zunächst nur mit dem Online-Formular im Kundenportal. «Grundsätzlich war das Go-live damals zu früh. Doch die Kantone fanden die Online-Eingabe gut, obwohl das Formular sehr viele Felder hatte. Das hat uns überrascht und war eine erste positive Rückmeldung im Projekt», sagt Rita Crameri.

Rita Crameri

Danach wurde es steinig. Bis Frühling 2024 lagen Projektleitung und Product Ownership bei einer Person, und diese Schlüsselperson fiel aus. 2024 und 2025 musste Know-how mit neuen Leuten wieder aufgebaut und breiter verteilt werden. Rita Crameri übernahm die Projektleitung, neben einem weiteren Projekt. Die Wende brachte unter anderem die Besetzung der Product-Owner-Rolle mit Michael Burkhalter im Herbst 2025. «Das war ein Game-Changer», sagt Rita Crameri. Seither steht das Vorhaben auf einem stabilen Fundament.

Auch zwischen Auftraggeberin und Lieferantin gab es Reibungen, etwa wenn Anforderungen und Kosten unterschiedlich ausgelegt wurden. «Zwei müssen sich zuerst finden», sagt Rita Crameri. Bewährt hat sich, dass die Wünsche der vielen Ämter gebündelt über eine Stelle an die GLAUX GROUP gehen, nicht von Dutzenden Einzelstimmen. «Dafür mussten wir aber zuerst unsere ‹Flöhe› in den Griff bekommen», sagt Jürg Treichler.

Die grösste Hürde aber war nicht die Technik. «Man denkt zu Beginn, es ist doch nur eine Anwendung, die ersetzt wird. Doch die Leute davon zu überzeugen, dass das Neue mindestens so gut ist wie das Alte, ist schwieriger als die technische Ablösung. Erst 2026, als alle produktiv mit eSubventionen arbeiteten, machten wir einen rechten ‹Gump›. Plötzlich entdeckten die Nutzenden selbst, was das Tool alles kann», sagt Rita Crameri.

 

Im September 2026 folgte der letzte grosse Schritt: die Migration des BAK, des grössten Mandanten. Alle Altdaten wurden übernommen, statt alte Anwendungen weiterzubetreiben. Damit schliesst sich ein Kreis: Das Amt, dessen alte Fachanwendung das Projekt einst ausgelöst hatte, arbeitet nun vollständig in eSubventionen.

Rita Crameri, Jürg Treichler, Michael Burkhalter sitzen an einem Sitzungstisch

Das Projektteam eSubventionen des GS-EDI, von links nach rechts: Rita Crameri, Jürg Treichler und Michael Burkhalter. Nach einer mehrjährigen Lernphase steht das Subventionsprojekt des Bundes heute auf einer soliden Grundlage.

Heute: sieben Ämter, ein durchgängiger Prozess

Neben BAG und BAK sind heute fünf weitere Verwaltungseinheiten an Bord: das Bundesamt für Landwirtschaft, das Bundesamt für Sozialversicherungen, das Eidgenössische Büro für die Gleichstellung von Frau und Mann, das Eidgenössische Büro für die Gleichstellung von Menschen mit Behinderungen und die Fachstelle für Rassismusbekämpfung. Rund 30 Fördermassnahmen laufen über die Plattform, rund 1600 Personen nutzen sie. Etwa 1000 Gesuche sind bisher direkt in eSubventionen eingegangen, migrierte Altdaten nicht mitgezählt.

So verschieden die Ämter sind, der Prozess ist für alle derselbe.

«Wir haben von Ende zu Ende einen digitalen Prozess. Das Gesuch trifft online ein und wird auf diesem Kanal geprüft. Zwischen- und Abschlussberichte werden in eSubventionen erstellt und verschickt, Zahlungen in der Applikation ausgelöst und medienbruchfrei an SAP übergeben. Vom Einreichen über das Prüfen bis zum Abschluss läuft alles im gleichen Kanal. Darauf können wir stolz sein», sagt Michael Burkhalter, Product Owner eSubventionen, GS-EDI.

Sachbearbeitende sehen ein Gesuch genau so, wie es eingereicht wurde. Ob eine Unterschrift nötig ist, digital oder auf Papier, lässt sich pro Fördermassnahme festlegen.

Der Gewinn ist spürbar: «Wer den ganzen Prozess durchgängig in eSubventionen abwickelt, ist nach meiner Schätzung um nahezu 50 Prozent schneller als mit E-Mail, Ausdrucken und Word», sagt Rita Crameri.

 

Dass alle Ämter auf derselben Applikation arbeiten, zahlt sich auch über das einzelne Amt hinaus aus. Die Daten für die öffentliche Subventionsdatenbank des Bundes lassen sich einfacher bereitstellen als bisher. «Prüfungen der Finanzkontrolle lassen sich leichter nachvollziehen, und die gesetzliche Publikationspflicht ist einfacher zu erfüllen», sagt Jürg Treichler. Rückhalt gibt es auch auf strategischer Ebene: «Der Digitalisierungsrat Bund hat den Gemeinsamen Fachdienst eSubventionen für die Aufbauphase bis Frühling 2029 freigegeben. Das zeigt uns, dass wir auf dem richtigen Weg sind.»

«Man muss dranbleiben.»

Rita Crameri

Gesamtprojektleiterin eSubventionen, GS-EDI

Morgen: über das EDI hinaus

Ende 2026 schliesst das Grundprojekt ab. Die Arbeit geht nahtlos an den Gemeinsamen Fachdienst eSubventionen über, den Rita Crameri leitet. Die GLAUX GROUP verantwortet weiterhin Betrieb und Weiterentwicklung.

Der Fachdienst hat den Auftrag, mit allen Bundesämtern, die Fördermittel vergeben, zu prüfen, ob eSubventionen für sie infrage kommt. «Wir klären mit ihnen, ob die Nutzung der Plattform für sie wirtschaftlich und funktional sinnvoll ist», sagt Rita Crameri. Nach dem BLW, das von Beginn weg dabei war, kommt mit fedpol das erste Amt aus einem anderen Departement dazu. Es vergibt Finanzhilfen für:

  • Massnahmen zur Unterstützung der Sicherheit von Minderheiten mit besonderen Schutzbedürfnissen

  • Präventions- und Sensibilisierungsarbeit gegen Menschenhandel

  • Massnahmen zur Verhütung von Straftaten im Zusammenhang mit Prostitution

Die Umsetzung ist bis Ende 2026 abgeschlossen, der Produktivstart folgt 2027. Auch das SECO und das BAZL haben Interesse angemeldet.

Jedes neue Amt profitiert von den Erfahrungen der bisherigen. Das Onboarding ist samt Lessons Learned dokumentiert und dauert je nach Komplexität zehn Monate bis anderthalb Jahre. Ein Business-Analyst des Gemeinsamen Fachdiensts begleitet jedes Amt durch den ganzen Prozess, damit die Einführung auch als Chance zur Vereinfachung genutzt wird. «Der Blick von aussen hilft, eingefahrene Abläufe zu hinterfragen: Wieso macht ihr das so? Und: Ginge es auch anders?», sagt Rita Crameri. Der klare Prozess und diese Begleitung sind auch für die GLAUX GROUP ein grosser Gewinn.

Geht es nach Rita Crameri und Michael Burkhalter, wird eSubventionen noch medienbruchfreier: mit der rechtssicheren elektronischen Zustellung von Verfügungen, dem Einsatz von KI und der direkten digitalen Ablieferung an das Bundesarchiv. Davon profitieren alle Ämter auf der Plattform gleichzeitig.  Pflege, Kultur, Sicherheit – und bald vielleicht Wirtschaft und Luftfahrt: Was als Ablösung einer einzelnen Anwendung begann, wird Schritt für Schritt zur gemeinsamen Plattform des Bundes. 

Tom

Nehmen Sie Kontakt auf

Thomas Graf
Leiter Account Management