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Gina Tagung 2026: Fusion, neue Funktionen und erste KI-Bausteine

Am 15. September 2026 trafen sich in Bern rund 50 Anwender:innen, Projektverantwortliche, Applikationsmanager und Partner:innen aus dem Schweizer Justizvollzug. Die Gina Tagung ist so etwas wie ein Klassentreffen der Branche – ein Tag, an dem Fachwissen, Erfahrungen und offene Fragen zusammenkommen. Das spätsommerliche Wetter erlaubte es, Pause und Lunch grösstenteils draussen zu verbringen.

GLAUX GROUP wird Teil der CONVOTIS Schweiz

Vito Critti (CEO) und Andreas Ressnig (CDO) ordneten zu Beginn die anstehende Fusion ein: Die GLAUX GROUP AG wird mittels Absorptionsfusion in die CONVOTIS Schweiz AG integriert. Die Umsetzung erfolgt im ersten Halbjahr 2027, wirtschaftlich rückwirkend per 1. Januar 2027. Kundenverträge, Leistungen, Mitarbeitende und Verpflichtungen gehen auf CONVOTIS Schweiz über.

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Wichtig für Kund:innen und Kunden: Es handelt sich nicht um einen Eigentümerwechsel. Beide Unternehmen werden bereits heute vom selben Eigentümerkreis gehalten – was jetzt folgt, ist die rechtliche Zusammenführung. Die Gesellschaft GLAUX verschwindet, die Fachlösungen bleiben: Gina, evidence, socialweb, printcom und eSignature werden innerhalb von CONVOTIS Schweiz weitergeführt und gezielt ergänzt. Auch Branchenwissen, Referenzen und Kundenbeziehungen bleiben erhalten.

Was dazukommt, sind Kompetenzen, die GLAUX allein nicht in dieser Tiefe anbieten konnte: Cloud- und Plattformbetrieb, Managed Services, AI-Betrieb, Cyber Security und die Übernahme von Betriebsverantwortung. Damit lässt sich künftig ein grösserer Teil der digitalen Wertschöpfungskette aus einer Hand abdecken – von der Fachlösung über die Integration bis zu Betrieb, Security und Weiterentwicklung.

Seit Juli 2026 führt eine gemeinsame Geschäftsleitung CONVOTIS Schweiz und GLAUX GROUP.

Neue Organisation im Bereich Justiz

Parallel dazu wurde der Bereich Justiz neu aufgestellt. Die Leitung liegt bei Florian Cerny-Bürki, Stellvertreter ist Fabian Beutler. Ein Gina-Board bündelt Fachkompetenz aus Technology & Engineering und Delivery an einem Tisch.

Vier Punkte standen im Zentrum:

  • Verteilte Verantwortung: Aufgaben und Entscheidungen liegen nicht mehr bei Einzelnen.

  • Skalierbarkeit: Die Struktur wächst mit neuen Projekten und Kunden mit.

  • Gebündeltes Fachwissen: Das Gina-Board bringt die relevanten Kompetenzen zusammen.

  • Kontinuität: Die gewohnten Ansprechpersonen bleiben bestehen.

Aktuelle Projekte

eJVAkte PoC+ – Anbindung an justitia.swiss.

Ziel ist der strukturierte, medienbruchfreie Austausch von Verfahrensdaten und Dokumenten zwischen Vollzugseinrichtungen und weiteren Beteiligten der Justizkette – anstelle der heutigen postalischen und uneinheitlichen Übermittlung. Das Projekt läuft gemeinsam mit HIS Schweiz und der Sicap-Arbeitsgruppe Justizvollzug; Sicap liefert mit eCH-0307 den nationalen Datenstandard. In Gina entstehen zwei Kernprozesse: Versand (Person und Fall suchen, Daten und Dokumente auswählen, Empfänger bestimmen, bestätigen) und Empfang (Sendung prüfen, Person zuordnen oder neu anlegen, Daten abgleichen, Dokumente übernehmen). Beides ist mit der bestehenden JAA und dem eDossier kompatibel – keine Insellösung.

RIPOL-Abfrage und -Erfassung.

Die RIPOL-Abfrage erfolgt neu direkt aus der Akte der eingewiesenen Person: kein Systemwechsel, kein manuelles Übertragen der Personalien. Bestehende Fahndungsausschreibungen erscheinen in einer Trefferliste, ohne Treffer geht es direkt in die Neuerfassung. Für Personen- und Fahrzeugausschreibungen gibt es einen geführten Prozess, der bestehende Ausschreibungen erkennt und die Wahl zwischen Ergänzen, Widerrufen und Neuerfassung lässt. Personalien, Signalement und Vollzugsdaten werden aus Gina vorbefüllt, das Fahndungsbegehren wird als Dokument erstellt.

Online-Dokumentation.

Die Dokumentation wandert online: schneller Zugriff, immer aktuell, kundenspezifisch zusammenstellbar. Phase 1 bringt den Zugriff, Phase 2 den kontextbasierten Aufruf direkt aus Modulen und Prozessen.

Projekt ELFA.

Viele Einrichtungen, viele Arbeitsweisen, eine Migration aus einem bestehenden System mit anderer Struktur – die Einführung eines Standards ist entsprechend anspruchsvoll. Die Vorabnahme von Gina ist erfolgt, die Schulungen sind weitgehend abgeschlossen. Einführung ist der 2. November 2026.

Updates in Gina

Glaux-1Florian Cerny, Fabian Beutler und Urs Kaufmann stellten die neuen Funktionen vor. Einige Beispiele:

Kontingente für Besuch und Urlaub lassen sich pro Person und Aufenthalt führen – mit Stunden pro Monat, Art und Zeitraum. Im Prozess wird das verbleibende Kontingent direkt beim Erfassen angezeigt und dient als Entscheidungsgrundlage für die Bewilligung.

Kollusion auf Person statt auf dem Aufenthalt: Die Information folgt neu der Person und bleibt damit über Aufenthalte hinweg nutzbar. Mit Kollusionsgruppen, -gründen und -arten lassen sich auch Unverträglichkeiten abbilden.

Nachträgliche Entscheide (NEN). Widerruf und Aufhebung eines Urteils können neu direkt im Prozess Urteil erfasst werden, inklusive betroffenem Fall und Referenz.

Erweiterungen im Dateimanager. Vorlagen mit mehreren Varianten lassen sich direkt im Erstellen-Dialog auswählen, die Auswahl fliesst automatisch ins Dokument. Ein Klick öffnet neu direkt die Dokumentenvorschau, auch für Excel- und PowerPoint-Dateien.

KI in Gina: Grundsätze zuerst

Felix Leimbach, Leiter AI, stellte vor, wie KI in der CONVOTIS-Gruppe gedacht wird. Der Anspruch ist digitale Souveränität, konkret an vier Grundsätzen festgemacht:

  • Das Modell kommt zu den Daten. Sprachmodelle in der Schweiz, bei uns oder bei Ihnen, die Daten bleiben im Rechtsraum.

  • Kein Training mit Kundendaten. Datenhoheit ist garantiert, Schutzstufe 2 bedeutet kein Hyperscaler.

  • Bausteine statt eines Anbieters. Das Modell ist per Konfiguration austauschbar, offene Modelle wie Qwen, Mistral oder Apertus sind möglich – wechseln können, nicht müssen.

  • Der Mensch bleibt letzte Instanz. Die KI schlägt vor, entschieden wird von Menschen. Eingabe, Konfiguration und Output bleiben nachvollziehbar.

Drei Anwendungen wurden gezeigt:

KI-Erkennung im Posteingang: Ein Brief, 35 Seiten, ein Post-it – daraus wird ein Fall. Scan, Mail und ePost laufen über einen Kanal und werden zu strukturierten Daten. Eine Ampel-Logik zeigt die Zuverlässigkeit: ab 95 Prozent sichere Klassifizierung, zwischen 50 und 94 Prozent genauer hinschauen, darunter sind meist Korrekturen nötig. Die Scanning-Schnittstelle und das QR-Deckblatt werden damit abgelöst. Als Impulse diskutiert: die Zusammenfassung eines 35-seitigen Urteils auf die vollzugsrelevanten Punkte und die Bildanalyse, etwa vom Foto der Habseligkeiten zur Inventarliste.

KI-Zauberstab im Vollzugsverlaufsjournal: Aus Stichworten wird ein Eintrag. Die Varianten reichen von Korrigieren (nur Fehler, Stil bleibt) über Neu formulieren, Ausformulieren und Kurzform bis zu Verständlicher und Leichte Sprache – letzteres etwa für die eingewiesene Person. Schreiben bleibt Arbeit der Mitarbeitenden, nur schneller. Als Impulse standen ein einheitliches, auswertbares Journal über Abteilungen und Schichten hinweg sowie ein automatisch maskierter Journal-Export im Raum.

KI-Chat: Handbuch und Akte befragen, statt suchen und blättern – gezeigt als Live-Demo mit Handbuch-Chat und Chat in der Akte.

 

Kundeninput: eDossier im Kanton Bern

Barbara Schaub, Teamleitung Gina beim Kanton Bern, zeichnete den Weg des Projekts eDossier nach – inklusive der Unterbrechung 2022, der Wiederaufnahme 2024 und des Pilots Hiba. 2025 wurden zahlreiche Anforderungen umgesetzt (QR-Code, Verlauf, Volltextsuche), Thorberg, Witzwil und das Regionalgefängnis Burgdorf umgestellt sowie der digitale Posteingang der BVD eingeführt. 2026 folgen die übrigen JVAs und Gefängnisse, die BVD, die evidence-Datenbank in Produktion und die Migration der Dokumente.

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Was sich mit dem eDossier verändert: vereinheitlichte Prozesse bei Post-Ein- und -Ausgang, einheitliche Ablage, geklärte Archivierung für das Staatsarchiv – und ein Dossier, das immer aktuell ist. Der Blick nach vorn: kein Papier mehr, unkomplizierter Datentransfer zu anderen Justizplayern und Schnittstellen, die Kommunikation tatsächlich vereinfachen.

Gastvortrag: Smart Prison von trifact

Patrik Basler stellte den Ansatz von trifactGlaux-3 vor, unter dem Titel «Nicht jede Anfrage braucht eine Zellentür». Der Ausgangspunkt: Im Vollzugsalltag entstehen viele einfache, wiederkehrende Anliegen, die heute über Papier, Telefon, Gegensprechanlage und Türöffnung laufen – mit entsprechend vielen Unterbrechungen.

Smart Prison verbindet Person, Identität, Standort, Bedürfnis, Serviceauftrag, Organisation und Rückmeldung in einem kontrollierten digitalen Prozess. Der erwartete Nutzen liegt in weniger unnötigen Bewegungen, in strukturiert zugewiesenen und nachvollziehbaren Anliegen sowie in kontrolliert zugänglichen Informationen und Standardservices. Digital dort, wo sich etwas standardisieren lässt – persönlich dort, wo menschliche oder fachliche Kompetenz zählt.

Ausblick

Glaux-5 KopieZum Abschluss der Blick nach vorn: Gina hat den Zuschlag im Kanton Aargau erhalten, der Projektstart ist auf Ende 2026 angesetzt, die Einführung auf Ende 2028. Bei der Weiterentwicklung stehen stufenlose Prozessübergänge, eine neue Benutzeroberfläche sowie KI und Security im Fokus.

Wir danken allen Beteiligten für ihre Teilnahme, die Vorträge und die Gespräche zwischendurch – und freuen uns bereits auf die Gina Tagung 2027.

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